Angsterkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen und umfassen unter anderem spezifische Phobien, soziale Angststörungen, Panikstörungen, agoraphobische Beschwerden sowie weitere belastungs- und vermeidungsbezogene Störungsbilder. Typisch sind ausgeprägte Angstreaktionen, körperliche Anspannung, Erwartungsangst und Vermeidungsverhalten, die Alltag, soziale Teilhabe, berufliche Situationen oder therapeutische Prozesse erheblich beeinträchtigen können. Evidenzbasierte psychotherapeutische Behandlungen beinhalten insbesondere kognitive Verhaltenstherapie und Expositionsverfahren.
Diagnostisch werden Angsterkrankungen in der ICD-10-GM unter anderem den phobischen Störungen und anderen Angststörungen zugeordnet. Dazu zählen beispielsweise spezifische Phobien, soziale Phobien, Agoraphobie, Panikstörungen und generalisierte Angststörungen. Die genaue diagnostische Einordnung erfolgt im klinischen Kontext; für die psychotherapeutische Behandlung ist insbesondere relevant, welche Situationen, Reize oder körperlichen Angstsymptome Vermeidungsverhalten auslösen und therapeutisch bearbeitet werden sollen.
VR-gestützte Exposition bei Angsterkrankungen
Virtuelle Realität kann bei Angststörungen als unterstützendes Werkzeug eingesetzt werden, um Expositions- und Verhaltensübungen kontrolliert, wiederholbar und individuell abstufbar zu gestalten. Dabei werden angstauslösende oder vermeidungsrelevante Situationen in einer interaktiven virtuellen Umgebung therapeutisch erlebbar gemacht. Therapeutinnen und Therapeuten können Reize, Schwierigkeitsgrade, Wiederholungen und Kontextvariationen gezielt steuern und an den Behandlungsverlauf anpassen.
Besonders relevant ist VR-gestützte Exposition bei Situationen, die in der realen Umgebung nur eingeschränkt verfügbar, organisatorisch aufwendig oder schwer kontrollierbar sind. Dazu zählen unter anderem Höhenangst, Flugangst, Spinnenangst, Klaustrophobie, soziale Ängste, Vortragssituationen, Bewerbungsgespräche oder weitere interaktive soziale Situationen. In der Fachliteratur wird hierfür auch der Begriff Virtual Reality Exposure Therapy (VRET) verwendet.
Der Einsatz von VR ersetzt keine leitliniengerechte psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung. VR-Therapie bei Angststörungen ist vielmehr als Werkzeug innerhalb eines therapeutischen Gesamtkonzepts zu verstehen: Expositionsschritte werden vorbereitet, therapeutisch begleitet, nachbesprochen und in den weiteren Behandlungsverlauf eingebettet.
Nachfolgend finden Sie Beiträge von VTplus zu Angsterkrankungen, VR-gestützter Exposition, Virtual Reality Exposure Therapy (VRET), Praxiserfahrungen aus klinischen und ambulanten Settings sowie relevante Verbundprojekte zur Therapie- und Versorgungsforschung wie EVElyn und OPTAPEB. Die Beiträge zeigen, wie virtuelle Realität in psychotherapeutische Behandlungskonzepte, Forschung, Weiterbildung und Systementwicklung eingebunden werden kann.
Weiterführende Informationen
Einen vertiefenden Überblick zu klinischen Einsatzfeldern, typischen Expositionsübungen, wissenschaftlicher Evidenz, Sicherheit und Informationen für Behandlungseinrichtungen finden Sie im Beitrag VR-Therapie bei Angststörungen.
Weitere Grundlagen zu Einsatzfeldern, Evidenz, Verträglichkeit und medizintechnischer Einordnung finden Sie im VR-Therapie Überblick.
Beiträge zur therapeutisch geplanten Konfrontation in virtuellen Umgebungen finden Sie unter Virtuelle-Realität-Exposition.
Informationen zu medizinisch zertifizierten VR-Komplettsystemen für Kliniken, psychotherapeutische Ambulanzen und Forschungseinrichtungen finden Sie im Bereich VT+ VR-Therapie Systeme.
Weitere Informationen zu wissenschaftlichen Projekten, der VT+ VR-Plattformtechnologie und klinischen Anwendungsfeldern finden Sie im Bereich Forschung und Entwicklung.
VTplus präsentiert die VR-Brille gegen Angst im Rahmen des Projekts EVElyn als Aussteller am Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), als eines von 9 ausgewählten innovativen Forschungsprojekten im Rahmen der Hightech-Strategie 2025.
VTplus präsentiert Ministerinen A. Karliczek und K. Prien EVElyn VR (C) H.-J.Rickel„Die Brille gegen Angst“ am Stand des BMBF, im Bild Geschäftsführer M. Müller. (C) VTplusMinisterin A. Karliczek besichtigt EVElyn. (C) VTplusEVElyn Stand, im Bild Projektleiter VTplus Prof. J. Müller. (C) VTplusMinisterin A. Karliczek erlebt Höhenexposition in VR (C) BMBF/H.-J.RickelEVElyn VR auf der Hannovermesse 2019 (C) BMBF / H.-J.Rickel
Worum geht es im Projekt EVElyn? Spinnen, Menschenmassen und Höhen: 15 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland leiden an Angststörungen. Nur ein Viertel von ihnen wird therapeutisch betreut – auch, weil Kapazitäten fehlen.
Was ist neu? Konfrontationsübungen können in Virtueller Realität (VR) durchgeführt werden, leichter als in der echten Situation und doch vergleichbar Wirksam. Mit einer VR-Brille können Menschen mit Angststörungen effizienter behandelt werden. Dies ermöglicht eine flexible Therapie in jeder Praxis.
Wer profitiert davon? Unbehandelte Angststörungen können in Depressionen münden und chronisch werden. Durch die Möglichkeit zur Konfrontationsübung in VR können die Ressourcen der Therapeuten effizienter genutzt werden und potentiell weit mehr Betroffene als bisher wirkungsvoll behandelt werden.
EVElyn Verbundforschung Das EVElyn-Konsortium besteht aus Fachleuten aus den Bereichen Mensch-Technik-Interaktion (Hochschule Heilbronn, Verbundkoordinator), Psychotherapie (kbo-Inn-Salzach-Klinikum gemeinnützige GmbH) und Empirische Forschung sowie Therapieforschung mit virtueller Realität (VTplus GmbH). Projektträger: VDI Technologiezentrum GmbH.
Gefördert im Rahmen der Fördermaßnahme „Medizintechnische Lösungen für eine digitale Gesundheitsversorgung, im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung Deutschland, Aktionsfeld Gesundheitswirtschaft durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). FKZ: 13GW0169B.
Am 10. November 2018 war VTplus auf der Fortbildungsveranstaltung „Update Angsterkrankungen“ am Universitätsklinikum Freiburg vertreten. Als Aussteller und Sponsor unterstützte VTplus die Fachtagung der Gesellschaft für Angstforschung (GAF) und präsentierte aktuelle VR-Therapiesysteme zur Behandlung von Angststörungen und phobischen Reaktionen.
Wir freuen uns über das rege Interesse an Virtual Reality als Methode zur Erforschung und Therapie von Angststörungen.
VTplus auf dem eHealth-Kongress 2018 in FFGesundheitsminister Stefan Grüttner am Stand von VTplus auf dem eHealth-Kongress-2018 FF (C) gwrm Felix HollandGesundheitsminister Stefan Grüttner beim Ausprobieren einer Angst-Konfrontationsübung in VR (C) gwrm Felix Holland
Am 13. Juni 2018 unterstützte VTplus das International Symposium „Virtual Reality in Psychotherapy Research“ an der Universität Regensburg als Sponsor.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden aktuelle Entwicklungen der VR-gestützten Psychotherapieforschung vorgestellt – von Expositionstherapie über neuropsychologische Anwendungen bis hin zu innovativen Interaktions- und Messverfahren.
Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die anregenden Gespräche und das große Interesse an VR als Forschungs- und Therapiemethode.
Die Inbetriebnahme der CAVE (5 seitige stereoskopische Mehrkanalprojektion) am Lehrstuhl für Psychologie der Universität Regensburg wurde erfolgreich abgeschlossen.
Das CAVE VR-Labor verwendet die Experimentkontroll- und VR-Simulationssoftware CyberSession (CS-Research 5.6) zusammen mit dem VrSessionMod (Source Engine SDK Modifikation) Rendering.
Im Videobeitrag zu sehen ist der Test der VT+Expo2 Szenarien VR-Vortrag und VR-Höhenangst.
Virtueller Vortrag und virtuelle Höhenangst mit VT+Expo2 Szenarien in der CAVE der Uni-Regensburg
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Mit dem Verbundforschungsprojekt „OPTAPEB“ arbeitet VTplus an der „Optimierung der Psychotherapie durch Agentengeleitete Patientenzentrierte Emotionsbewältigung“ in Kooperation mit namhaften Projektpartnern der universitären Forschung und Industrie.
MOTIVATION In Deutschland leiden rund 6,9 Mio. Menschen unter einer klinisch relevanten Angststörung. Die gesellschaftlichen Kosten sind enorm. Darüber hinaus sind Ängste bei fast allen anderen psychischen Störungen eine Begleitkomponente. Es ist daher wichtig, dass die Therapieansätze akzeptiert werden, effektiv und prozessoptimiert sind.
ZIELE UND VORGEHEN Ein zentrales Element bei der Psychotherapie von Angststörungen ist es, die Betroffenen den Angst auslösenden Situationen auszusetzen. Im Projekt wird ein System entwickelt, das die emotionalen Reaktionen der Klienten während solcher Expositionen multimodal erfasst und daraus durch Datenfusion Parameter extrahiert, die für den weiteren Verlauf relevant sind. Aus diesen Parametern werden Mikrointerventionen abgeleitet, die dem Klienten durch einen virtuellen Agenten in einer intuitiven Interaktion zur Verfügung gestellt werden. Durch die maschinelle Verarbeitung der in zahlreichen Expositionen gewonnenen Datensätze werden Prognosen für erfolgreiche Mikrointerventionen abgeleitet.
INNOVATIONEN UND PERSPEKTIVEN Die technologische Innovation für den Bereich der Psychotherapie ist durch einen nutzerzentrierten Ansatz in der Entwicklung und durch eine intuitive Interaktion mit einem virtuellen Agenten gekennzeichnet. Dadurch werden die Effektivität und Praxistauglichkeit der psychotherapeutischen Interventionen bei Angststörungen und deren langfristige Wirksamkeit verbessert. Rechtliche und ethische Belange werden dabei ebenso berücksichtigt, wie die Autonomie und informationelle Selbstbestimmung der Klienten.
Projektlaufzeit: 01.08.2018 bis 31.07.2020
Kontakt Geschäftsführer VTplus GmbH: Mathias Müller Wissenschaftlicher Projektleiter: Prof. Dr. Jürgen Müller (optapeb@vtplus.eu) Verbundkoordinator Universität Regensburg: Prof. Dr. Andres Mühlberger
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An der Klinik für Psychiatrie des Universitätsklinikums Münster wurde eine Studie zu den möglichen angstreduzierenden Wirkungen des Psychopharmakons Quetiapin mit Hilfe von virtueller Realität durchgeführt. Die Ergebnisse wurden Ende 2013 in der Fachzeitschrift European Neuropsychopharmacology veröffentlicht. Im Rahmen der Studie wurde ein VR-Szenario eingesetzt, um Angstreaktionen im Labor zu beobachten und zu analysieren.
Spinnen-VR mit HMD (2011)
Parameter des eingesetzten Virtual Reality Simulationssystems:
Visuelle Informationen mit Head-Mounted Display eMagin Z800
Bewegungs- Orientierungsinformationen des Kopfes (6-DOF Tracking) Polhemus Patriot
Visuelle Darstellung der 3D Umgebung mit einer Source-Engine-Modifikation (VrSessionMod 0.3)