Angst ist eine grundlegende emotionale und körperliche Reaktion auf als bedrohlich erlebte Situationen. Sie kann kurzfristig eine wichtige Schutzfunktion haben, aber auch mit erheblichem Leidensdruck, Vermeidung und Einschränkungen im Alltag verbunden sein. In psychotherapeutischen und wissenschaftlichen Kontexten werden daher sowohl normale Angstreaktionen als auch behandlungsbedürftige Angststörungen, phobische Reaktionen und angstrelevante Verhaltensmuster untersucht.
Virtuelle Realität in der Angst-Therapie
In der psychotherapeutischen Behandlung ist Exposition ein zentrales verhaltenstherapeutisches Verfahren bei vielen Angststörungen. Virtuelle Realität kann dabei als kontrollierbares Werkzeug eingesetzt werden, um angstauslösende Situationen in einem geschützten therapeutischen Rahmen darzustellen. VR-gestützte Angst-Therapie beziehungsweise Virtuelle-Realität-Exposition ermöglicht es, Reize und Schwierigkeitsgrade strukturiert abzustufen, Übungen zu wiederholen und therapeutisch zu begleiten – etwa bei Höhenangst, Spinnenangst, Flugangst, Klaustrophobie oder sozialer Angst.
VTplus entwickelt klinisch einsetzbare VR-Therapie- und Forschungssysteme für Kliniken, psychotherapeutische Ambulanzen, Praxen und wissenschaftliche Einrichtungen. Die VTplus VR-Plattform verbindet interaktive virtuelle Umgebungen, therapeutenzentrierte Steuerung, VR-Technik, Dokumentation und Schnittstellen für Forschung. Im Kontext von Angst und Angst-Therapie stehen insbesondere kontrollierte Expositions- und Verhaltensübungen, Therapieforschung, psychophysiologische Untersuchungen und die Entwicklung praxistauglicher VR-Systeme im Vordergrund.
Unter diesem Tag finden Sie Beiträge zu Angst, VR-gestützter Exposition, Angst-Therapie, spezifischen Phobien, sozialen Ängsten, psychophysiologischen Untersuchungen und Forschungsprojekten von VTplus. Für vertiefende Inhalte zu klinischen Störungsbildern ist der Tag Angsterkrankungen zentral. Beiträge zur Methode finden Sie unter Angst-Konfrontation und Virtuelle-Realität-Exposition; wissenschaftliche Arbeiten unter Angstforschung.
Hinweis: Die Beiträge dienen der fachlichen Information und ersetzen keine diagnostische Abklärung oder psychotherapeutische Behandlung.
In Deutschland leiden jährlich mehr als 15% der erwachsenen Bevölkerung an einer Angststörung. Trotz sehr guter Therapieaussichten ist eine flächendeckende Behandlung in Deutschland aktuell noch nicht möglich. Grund dafür ist vor allem der hohe Organisationsaufwand einzelner Therapiesitzungen mit Konfrontationsübungen.
Projektbeschreibung
Genau dies soll mit dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekt „EVElyn“ (Förderkennzeichen: 13GW0169B) nun durch den Einsatz hochmoderner Virtual Reality-Techniken für die ambulante Psychotherapie verbessert werden. Anstatt einzelne Sitzungen der Konfrontationstherapie konventionell in realer Umgebung durchzuführen, werden Patienten ihren Ängsten virtuell ausgesetzt. Dazu tragen sie eine Virtual Reality Brille und können über natürliche Bewegungsabläufe mit dem System interagieren. Durch den Einsatz dieser Technik sollen der Therapieaufwand erheblich gesenkt sowie Hemmschwellen abgebaut werden. VTplus arbeitet in einem Konsortium mit Experten in den Bereichen Mensch-Technik-Interaktion (Hochschule Heilbronn, UniTyLab) und Psychotherapie (kbo-Inn-Salzach-Klinikum gemeinnützige GmbH) zusammen. Der Verbund kooperiert zusätzlich mit renommierten Partnern wie den Psychotherapieambulanzen der Universitäten Würzburg, Münster, Bielefeld und dem Zentrum für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie der Uni-Bochum. Das Projekt wird von der AOK Baden-Württemberg beratend begleitet.
Verbundprojekt
Effizienzsteigerung und Versorgungsoptimierung in der ambulanten Psychotherapie von Angststörungen
Entwicklung einer ambulanten Konfrontationstherapie in der virtuellen Realität für Patienten mit Angststörungen (EVElyn)
Pressemeldung des BMBF 01.03.2019, Beitrag und Videobeitrag mit Vorstellung des Projekts EVElyn als eines der innovativen Forschungsprojekte rund um die Hightech-Strategie 2025 auf dem Gemeinschaftsstand des BMBF auf der Hannover Messe 2019
gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Fördermaßnahme „Medizintechnische Lösungen für eine digitale Gesundheitsversorgung“ im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung Deutschland Aktionsfeld Gesundheitswirtschaft
Im Artikel der Mainpost wird eine Studie zur Therapie von Höhenangst mit virtueller Realität vorgestellt. Die Studie nutzt das VTplus VR-Simulationssystem CyberSession und eine von VTplus erstellt virtuelle Umgebung zur Therapie von Höhenangst.
Weiteres im Mainpost-Artikel.
VT+Lab CAVE Multisensorik Labor der Universität Würzburg als Beispiel Bild für experimentalpsychologische Forschung und Therapieforschung mit Virtueller Realität
Es entstanden mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen aus dem Bereich der experimentellen Angst- und VR-Forschung am VT+Lab CAVE der Universität Würzburg
Die Arbeiten zeigen die Validität von VR-Expositionsszenarien und belegen die wissenschaftliche Relevanz des VTplus-Systems CyberSession und der VT+Expo2-Szenarien in der psychologischen Forschung.
Gromer, D., Madeira, O., Gast, P., Nehfischer, M., Jost, M., Müller, M., … & Pauli, P. (2018). Height Simulation in a Virtual Reality CAVE System: Validity of Fear Responses and Effects of an Immersion Manipulation. Frontiers in Human Neuroscience, 12, 372. doi: 10.3389/fnhum.2018.00372
Als Beispiel für den Einsatz von Virtueller Realität in der psychologischen Forschung stellen wir einen VR-Aufbau mit einer Videobrille (Head-Mounted Display) und zwei Bewegungssensoren kurz dar. Es handelt sich dabei um ein von Prof. Dr. Mühlberger betreutes Experiment, das am Lehrstuhl für Psychologie I der Universität Würzburg durchgeführt wurde.
Untersuchungsgegenstand:
Variationsmöglichkeiten zwischen realer und virtueller Welt innerhalb eines Experiments.
Simulation einer Greifübung in virtueller Realität.
Anwendungsmöglichkeiten für Expositionstherapie bei Spinnenangst.
Spezifische taktile Informationen (Spinnenmodell) führten im Vergleich zu unspezifischen taktilen Informationen (Holzwürfel) zu deutlich gesteigerten Angstreaktionen der Versuchsteilnehmer während der Konfrontation im Experiment.
Das Präsenzempfinden, das Gefühl in der VR gegenwärtig zu sein, war ebenfalls bei spezifischen taktilen Informationen deutlich erhöht.
Insgesamt konnte durch Konfrontation mit einer Spinne in VR eine Reduktion der Spinnenangst bei den Studienteilnehmern erreicht werden.
Die Studie verdeutlicht, wie gezielte taktile Reize in virtueller Realität das Angst- und Präsenzempfinden beeinflussen können und liefert wichtige Erkenntnisse für zukünftige VR-gestützte Expositionstherapien.