Angstforschung untersucht, wie Angst entsteht, erlebt, aufrechterhalten und verändert werden kann. Dazu gehören Forschungsfragen zu phobischen Reaktionen, Vermeidungsverhalten, Annäherungstendenzen, Erwartungsangst, Sicherheitsverhalten, physiologischen Reaktionen und kognitiven Bewertungsprozessen
Virtuelle Realität bietet für die Angstforschung besondere methodische Vorteile: Angstauslösende Situationen können standardisiert, kontrolliert und wiederholbar dargestellt werden. Gleichzeitig lassen sich Verhaltensdaten, Blickbewegungen, Körperbewegungen, Selbstberichte oder psychophysiologische Signale erfassen und mit experimentellen Bedingungen verknüpfen. Dadurch wird VR sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der Therapieforschung eingesetzt.
Unter diesem Tag finden Sie Beiträge, die sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung von Angst, Angsterleben und angstrelevanten Prozessen beschäftigen. Die Inhalte umfassen Studien, Forschungsprojekte und experimentelle Arbeiten zu Angststörungen, phobischen Reaktionen, Vermeidungs- und Annäherungsverhalten sowie physiologischen und kognitiven Mechanismen von Angst.
Im Mittelpunkt stehen Forschungsansätze, die virtuelle Realität (VR), verhaltensbasierte Paradigmen, psychophysiologische Messmethoden und digital unterstützte Diagnostik einsetzen, um Angst unter kontrollierten und reproduzierbaren Bedingungen zu erfassen. Dokumentiert werden sowohl experimentelle Untersuchungen als auch angewandte Forschungsprojekte im therapeutischen Kontext, etwa zur Wirksamkeit von Expositionsverfahren oder zur Entwicklung neuer VR-gestützter Therapieszenarien.
VTplus arbeitet mit universitären und klinischen Forschungseinrichtungen zusammen, um moderne VR-Technologien für die Angstforschung nutzbar zu machen. Unter diesem Tag finden Sie daher Publikationen, Projektbeschreibungen, Studienergebnisse und praxisnahe Beispiele zur empirischen Untersuchung von Angst und angstrelevanten Verhaltensweisen.
Weitere Informationen zu Forschungsprojekten, den VT+ VR-Plattformmodulen und Verbundforschung finden Sie im Bereich Forschung und Entwicklung. Beiträge mit stärkerem Therapie- oder Anwendungsschwerpunkt finden Sie unter Angsterkrankungen und Angst-Therapie.
Auf der Tagung der Gesellschaft für Angstforschung (GAF) am Universitätsklinikum Würzburg führte VTplus ein 3D-Simulationssystem mit Head-Mounted-Display zur Anwendung von virtuellen Welten in der empirischen Forschung vor.
In der Posterpräsentation des wissenschaftlichen Programms wurden unter anderem fünf Studien vorgestellt, für welche virtuelle Welten als Präsentationsmethode mit der von VTplus angebotenen Simulationssoftware verwendet wurden.
Der Beitrag beschreibt experimentelle Studien mit VR-Szenarien zur Erforschung von Höhenangst, Gleichgewicht und Emotionsregulation in virtuellen Umgebungen.
Emotionsregulation bei Höhenangst (Hettinger, M., 2008, JMU-Würzburg)
Technische Umsetzung:
Visuelle stereoskopische Informationen mit Head-Mounted Display VirtualResearch V6
Bewegungs- Orientierungsinformationen des Kopfes Polhemus Fastrak
Visuelle Darstellung der 3D Umgebung mit Valve Source SDK und Modifikation VrSessionMod 0.3
Mühlberger, A., Neumann, R., Lozo, L., Müller, M. & Hettinger, M. (2012). Bottom-up and top-down influences of beliefs on emotional responses: Fear of heights in a virtual environment. In B.K. Wiederhold and G. Riva (Eds.), Annual Review of Cybertherapy and Telemedicine 2012 (pp 133-137). IOS Press. Amsterdam.
Visueller Einfluss auf Gleichgewicht und Angsterleben bei Höhenängstlichen (Bärmann, 2005, JMU-Würzburg)
Technische Umsetzung:
Visuelle stereoskopische Informationen mit Head-Mounted Display
Ausgehend von Befunden, dass Höhenphobiker bei Konfrontation mit einer Höhensituation eine stärkere Zunahme des Körperschwankens als nichtängstliche Personen aufweisen (Nakahara et al., 2000; Takeya et al., 1978), stellt sich die Frage, inwieweit die Destabilisierung situationsspezifisch durch Angst ausgelöst wird (Ohno et al., 2004) oder ob eine Beeinträchtigung der Gleichgewichtskontrolle beim Vorliegen visueller Konflikte auch unabhängig von der Höhensituation auftritt (Jacob et al., 1995). Untersucht wurden 18 Höhenphobikern und 18 Personen ohne Höhenangst, denen über ein Head Mounted Display zuerst der virtuelle Eindruck einer ebenerdigen Szene auf der Straße und dann der eines Blicks in die Tiefe einer Straßenschlucht dargeboten wurde. Zur Induktion visueller Konflikte wurde in den virtuellen Umgebungen Parallaxe-Information in 3 Abstufungen manipuliert: Bei der Bedingung (1) mit der meisten Information wurde ein Fixkreuz 2 m vor den Probanden gezeigt, bei der Bedingung (2) mit geringerer Information befand sich das Fixkreuz in 22 m Entfernung. In der 3. Bedingung wurde jegliche Information verhindert (sway-reference). Während die Probanden in aufrechter Haltung möglichst ruhig standen und die drei verschiedenen Kreuze fixierten, wurden pro Bedingung sowohl das subjektive Angst- und Schwindelerleben erfasst als auch das Körperschwanken, die Herzrate, Herzratenvariabilität (HRV) und Hautleitfähigkeit. Explorativ wurden in der Höhensituation zusätzlich die Effekte einer gebeugten Kopfhaltung untersucht, bei der eine Verstärkung der sensorischen Konflikte durch Beeinträchtigung des Vestibularorgans angenommen wurde. Die Ergebnisse zeigen bei den Höhenphobikern einen für die Höhensituation spezifischen Anstieg von subjektiv erlebter Angst und Schwindel. Dies kann im Sinne einer gegenseitigen Beeinflussung dieser beiden Erlebnisqualitäten interpretiert werden. Hinsichtlich der Variation von Parallaxe-Information zeigen sich bei den Kontrollpersonen keine Unterschiede. Die Höhenphobiker hingegen empfanden beim Sway-Reference-Kreuz in der Höhe deutlich mehr Schwindel als in den anderen beiden Bedingungen. Der Befund spricht dafür, dass Höhenängstliche situationsspezifisch eine erhöhte Sensitivität gegenüber visuellen Konflikten aufweisen. Die gebeugte Haltung führte bei den Höhenphobikern sowohl zu einem signifikanten Anstieg des Körperschwankens und der HRV als auch des Angsterlebens und der Schwindelgefühle. Dieses Ergebnis kann als Hinweis darauf gewertet werden, dass Höhenphobiker vestibuläre Informationen evtl. stärker gewichten. Insgesamt sprechen die Befunde für eine bei Höhenphobikern in der Höhensituation stärker ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber desorientierenden Wahrnehmungsbedingungen.
Einfluss von Annäherungs- und Vermeidungsverhalten auf die Angstreaktion von Spinnenphobikern (Sperber, M., 2004, JMU-Würzburg)
Die Studie untersuchte, wie Annäherungs- und Vermeidungsverhalten bei Spinnenphobie in einer kontrollierten virtuellen Umgebung erfasst werden kann. Aus der Arbeit entstand ein Virtual-Reality-Behavior-Avoidance-Test (VR-BAT), mit dem phobierelevantes Vermeidungsverhalten in virtueller Realität standardisiert untersucht werden kann.
Das Video zeigt eine frühe virtuelle Spinnen-Exposition aus der Würzburger VR-Forschung zur Untersuchung von Annäherungs- und Vermeidungsverhalten bei Personen mit Spinnenphobie.
Virtual Spider Exposition (2004)
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Mühlberger, A., Sperber, M., Wieser, M. J., Pauli, P. (2008).“A virtual reality behavior avoidance test (VR-BAT) for the assessment of spider phobia.“ Journal of CyberTherapy & Rehabilitation 1,2.
VTplus wird diese Anwendungen und Weiterentwicklungen dieser Forschungsergebnisse – portiert auf eine neue Grafik-Engine – basierend auf einem Kooperationsrahmenvertrag mit der Universität Würzburg zum Einsatz in der VR-Forschung und VR-Therapie weiter entwickeln.