Im BMBF-geförderten Verbundprojekt EVElyn („Effizienzsteigerung und Versorgungsoptimierung in der ambulanten Psychotherapie von Angststörungen“) hat VTplus sein Teilvorhaben zur Entwicklung und Erprobung eines VR-Therapie-Systems für ambulante Verhaltenstherapieübungen erfolgreich abgeschlossen.
Hintergrund: Warum VR für Expositionsübungen?
Expositionsübungen sind ein zentraler Bestandteil der Verhaltenstherapie bei Angststörungen. In der Praxis wird die klassische in-vivo-Exposition jedoch häufig durch organisatorischen Aufwand erschwert. Virtuelle Realität (VR) kann Konfrontationssituationen kontrolliert, wiederholbar und in Praxisräumen bereitstellen – als strukturiertes Werkzeug innerhalb leitlinienorientierter Psychotherapie.
Ziel des VTplus-Teilvorhabens
Ziel von VTplus war die Umsetzung eines anwenderzentrierten, einfach zu bedienenden VR-Therapiesystems für ambulante Konfrontationsübungen sowie die Untersuchung zentraler Faktoren für Bedienbarkeit, Interaktion, Verträglichkeit und Praxistauglichkeit. Dazu wurden Anforderungen für den therapeutischen Einsatz (inkl. relevanter medizinprodukterelevanter Rahmenbedingungen) erarbeitet und in ein integriertes Systemkonzept überführt.
Vorgehen: Von Nutzungskontext bis Praxistauglichkeit
Im Projekt wurden u. a. folgende Schritte umgesetzt:
- Nutzungskontextanalyse und Ableitung von Anforderungen für den therapeutischen Einsatz
- Systemkonzeption und Erprobung unterschiedlicher Architekturansätze
- Iterative Umsetzung von Bedien-/Interaktionskonzepten und VR-Inhalten
- Experimentalpsychologische Untersuchungen (u. a. Einfluss von Befragungs- und Navigationsmethoden auf Lernerfolg, CyberSickness, Präsenz- und Angsterleben)
- Machbarkeitsstudie zur Praxistauglichkeit in enger Abstimmung mit den Projekt- und Therapieforschungspartnern
Ergebnis: Kompaktes VR-Therapie System mit breitem Übungsumfang
Als Projektergebnis wurde ein hoch integrierter, mobiler VR-Therapie-Demonstrator entwickelt, der für psychotherapeutische Konfrontationsübungen ausgelegt ist. Die finale Demonstrator-Version umfasste 14 virtuelle Umgebungen zur Reizkonfrontation mit Variationsmöglichkeiten und begleitender Dokumentation.
Befragungs-Highlights: Hohe Nutzungsbereitschaft
Im Rahmen einer Vorstudie mit evaluierten Systemschulungen (Teilauswertung von 32 Teilnehmenden) wurde die Nutzerakzeptanz mit dem Technology Usage Inventory (TUI) erhoben. Die Ergebnisse zeigen eine überdurchschnittlich hohe Nutzungsabsicht:
- „Würden Sie Zugang zu diesem VR-Therapie-System haben wollen?“: 90%
- „Würden Sie dieses VR-Therapie-System nutzen?“: 80,6%
- Skepsis gegenüber dem VR-Therapie-System wurde sehr gering bewertet (2,45 von 7)
Partner & assoziierte Partner: Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor
EVElyn wurde im Verbund mit Partnern aus Mensch-Technik-Interaktion, Psychotherapie und VR-Systementwicklung umgesetzt.
- Hochschule Heilbronn (UniTyLab) – Verbundkoordination, Mensch-Technik-Interaktion
- kbo-Inn-Salzach-Klinikum gGmbH – Psychotherapie/klinischer Partner
- VTplus GmbH – Entwicklung, Integration und Umsetzung der VR-Therapie-Inhalte und Systemarchitektur
Assoziierte/kooperierende Partner (Nutzungskontext & Versorgungsforschung)
- Hochschulambulanz für Psychotherapie, Universität Würzburg
- Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim (Therapieforschung/Implementierung)
Das Projekt wurde zudem beratend durch die AOK Baden-Württemberg begleitet (u. a. zur Erstattungs-Perspektive und einer Etablierung über Pilotprojekte und Individualverträge).
Besonderer Dank gilt den Verbund- und Therapieforschungspartnern für die hervorragende Zusammenarbeit.
Projekt: EVElyn – Effizienzsteigerung und Versorgungsoptimierung in der ambulanten Psychotherapie von Angststörungen
Teilvorhaben VTplus: VR-Demonstrator für ambulante Verhaltenstherapieübungen / VR-Konfrontation
Förderkennzeichen: 13GW0169B
Laufzeit: 01.10.2016 – 30.09.2020