Virtuelle Realität erlaubt es, den Umgang mit angstauslösenden Situationen in einem geschützten Rahmen zu üben. Durch Angst-Konfrontation in virtueller Realität können Patientinnen und Patienten im Rahmen einer Therapie die Erfahrung machen, dass gefürchtete Konsequenzen nicht eintreten und sie mit ihrer Angst umgehen können.
Die Expositionstherapie mit virtueller Realität, auch Virtual Reality Exposure Therapy (VRET), ermöglicht Konfrontations- und Verhaltensübungen in kontrollierbaren virtuellen Situationen. Therapeutinnen und Therapeuten können angstauslösende Reize schrittweise bereitstellen, die Intensität anpassen und Übungen wiederholen – direkt in Klinik, Ambulanz oder Praxis.
VTplus entwickelt CE-gekennzeichnete, in der Medizinproduktedatenbank des BfArM eingetragene VR-Therapiesysteme für professionelle Anwenderinnen und Anwender in Psychotherapie, Psychiatrie, Psychosomatik, welche zusätzlich für Therapieforschung einsetzbar sind. Die Systeme unterstützen leitlinienorientierte Expositionsübungen mit virtueller Realität, insbesondere dann, wenn reale Konfrontationsübungen organisatorisch schwierig, nicht verfügbar oder nur eingeschränkt durchführbar sind.
Einen kompakten allgemeinen Einstieg in Virtuelle Realität, VR-Therapie, VR-Therapieforschung, Verträglichkeit und medizintechnische Aspekte bietet die Seite VR-Therapie Überblick. Nachfolgend wird, darauf aufbauend der Einsatz virtueller Realität bei Angststörungen und VR-gestützten Expositionsübungen vertieft.
Expositionstherapie mit Virtueller Realität
Bei vielen Angststörungen spielt Vermeidung eine zentrale Rolle. Betroffene meiden Situationen, Orte, Tiere oder soziale Situationen, die Angst auslösen. In der Verhaltenstherapie werden solche Situationen im Rahmen von Expositionsübungen gezielt und therapeutisch begleitet aufgesucht.
Virtuelle Realität erweitert diese Möglichkeiten. Statt eine reale Situation aufwendig herzustellen, kann eine vergleichbare Situation in einer virtuellen Umgebung dargestellt werden. Patientinnen und Patienten erleben die Situation über eine VR-Brille, während Therapeutinnen und Therapeuten den Ablauf beobachten, steuern und anpassen können.
Konfrontations- und Verhaltensübungen mit virtueller Realität ermöglichen den Therapeutinnen und Therapeuten die vollständige und detaillierte Kontrolle der Situation. Die Expositionsschritte sind individuell abstufbar und beliebig wiederholbar. Die Konfrontationsübungen können in wechselnden und anpassbaren Kontexten sowie wetter- und umgebungsunabhängig durchgeführt werden.
Die VR ersetzt dabei nicht die psychotherapeutische Behandlung, sondern dient als kontrollierbares Werkzeug innerhalb eines professionellen Therapieprozesses.
VR-Therapie bei Angststörungen
Angststörungen können sich auf sehr unterschiedliche Situationen beziehen. Dazu gehören spezifische Phobien, soziale Ängste oder auch Situationen, in denen körperliche Angstsymptome, Erwartungsangst und Vermeidung den Alltag stark einschränken.
VR-gestützte Expositionsübungen eignen sich besonders für Situationen, die in der therapeutischen Praxis schwer planbar, schwer erreichbar oder mit hohem organisatorischem Aufwand verbunden sind. Typische Anwendungsfelder sind unter anderem Höhenangst, Flugangst, Spinnenangst, Klaustrophobie, soziale Ängste, Vortragssituationen, Bewerbungsgespräche oder soziale Interaktionen.
Entscheidend bleibt dabei immer die fachliche Einbettung in Diagnostik, Indikationsstellung, Therapieplanung und therapeutische Begleitung.
Vorteile virtueller Expositionsübungen
Virtuelle Realität bietet für Expositions- und Verhaltensübungen mehrere praktische Vorteile:
- vollständige und detaillierte Kontrolle der Situation durch Therapeutinnen und Therapeuten
- individuell abstufbare Expositionsschritte
- beliebig wiederholbare Übungen
- Übungen in wechselnden und anpassbaren Kontexten
- wetter- und umgebungsunabhängige Durchführung
- geringerer logistischer Aufwand gegenüber realen Expositionen
- Durchführung in geschützten Therapieräumen
- strukturierte Vorbereitung und Nachbesprechung
- Dokumentation des Sitzungsverlaufs
Für Therapeutinnen und Therapeuten entsteht dadurch ein zusätzlicher Handlungsspielraum. Übungen können vorbereitet, angepasst und bei Bedarf mehrfach wiederholt werden, ohne dass für jede Exposition eine reale Umgebung organisiert werden muss.
Wirksamkeit und Sicherheit der VRET
Die Wirksamkeit der Angstexposition in virtueller Realität konnte bereits in einer Vielzahl an Studien gezeigt werden. Auch die Sicherheit der VRET wurde unter anderem in einer im Journal of Anxiety Disorders veröffentlichten Studie untersucht. Die Autoren zeigen, dass Verschlechterungen der Symptomatik durch eine VRET weniger häufig auftreten als bei einer Placebogruppe und Nebenwirkungen selten sind.
Die S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen empfiehlt für die Behandlung spezifischer Phobien Expositionsübungen in virtueller Realität, wenn eine in-vivo-Exposition nicht verfügbar oder möglich ist. Für soziale Phobien kann Virtuelle-Realität-Expositionstherapie begleitend zu einer Standardpsychotherapie angeboten werden.
Damit ist VRET fachlich nicht als isolierte Technik zu verstehen, sondern als unterstützendes Verfahren innerhalb einer leitlinienorientierten psychotherapeutischen Behandlung.
VTplus VR-Therapiesysteme für Kliniken, Ambulanzen und Praxen
VTplus bietet VR-Therapiesysteme für stationäre und ambulante Einrichtungen. Die Systeme verbinden abgestimmte Hardware, spezialisierte Software und therapeutische Inhalte zu einer integrierten Systemlösung für professionelle Anwenderinnen und Anwender.
Die Bedienung ist auf therapeutische Arbeitsabläufe ausgerichtet. Therapeutinnen und Therapeuten können VR-Übungen auswählen, starten, stoppen und den Verlauf beobachten. Die virtuelle Situation kann über einen Kontrollbildschirm mitverfolgt werden. Je nach Systemausstattung sind zusätzliche Optionen für Dokumentation, Forschung oder Datenerhebung möglich.
Die VTplus Systeme wurden für den Einsatz in klinischen und therapeutischen Einrichtungen entwickelt. Sie sind nicht als Endverbraucherprodukt, sondern als professionelle medizintechnische Lösung für Fachanwender konzipiert.
Wissenschaftliche und klinische Einordnung
Virtuelle Realität wird seit vielen Jahren in der psychologischen Forschung, Psychotherapieforschung und klinischen Anwendung untersucht. Besonders die virtuelle Exposition bei Angststörungen ist ein etabliertes Forschungs- und Anwendungsfeld.
VTplus verbindet die Entwicklung von VR-Therapiesystemen mit langjähriger Forschungserfahrung. Die technologische Basis umfasst VR-Simulationssoftware, interaktive virtuelle Umgebungen, therapeutenzentrierte Steuerung, Dokumentationsfunktionen und Schnittstellen für Forschung und Evaluation.
Die Anwendung virtueller Realität sollte immer fachlich, therapeutisch und regulatorisch eingeordnet werden. Für Kliniken, Praxen und Forschungseinrichtungen ist daher nicht nur die VR-Brille relevant, sondern das Gesamtsystem aus Software, Hardware, Bedienkonzept, Dokumentation, Einweisung, Support und medizintechnischer Verantwortung.
Für wen ist diese Seite relevant?
Diese Informationen richten sich an:
- Kliniken und psychosomatische Einrichtungen
- psychotherapeutische Ambulanzen
- psychotherapeutische Praxen
- psychiatrische und psychosomatische Fachabteilungen
- Hochschulambulanzen
- Forschungseinrichtungen
- Einrichtungen mit Interesse an digital unterstützter Expositionstherapie
Patientinnen und Patienten sollten sich bei Fragen zur Eignung einer VR-gestützten Therapie an ihre behandelnde Therapeutin, ihren behandelnden Therapeuten oder eine geeignete medizinische Einrichtung wenden.
Informationen für Behandlungseinrichtungen
Klinisch einsetzbare, vollständig integrierte VR-Expositionssysteme unterstützen Konfrontations- und verhaltenstherapeutische Übungen in stationären und ambulanten therapeutischen Einrichtungen.
Die VTplus GmbH ist Hersteller von CE-gekennzeichneten, in der Medizinproduktedatenbank des BfArM registrierten VR-Therapie-Komplettsystemen, die für die Integration in bestehende klinische Behandlungsabläufe entwickelt wurden.
Informationen zu Anwendungsmöglichkeiten, Systemaufbau und professionellem Einsatz finden Sie auf der Produktseite VT+ VR-Therapie Systeme.
Literatur und wissenschaftliche Evidenz
Die folgenden Publikationen geben einen Überblick über die wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit, Sicherheit und klinischen Anwendung der Virtual-Reality-Expositionstherapie:
- Freitas, J.R.S., Velosa, V.H.S., Abreu, L.T.N. et al. Virtual Reality Exposure Treatment in Phobias: a Systematic Review. Psychiatr Q 92, 1685–1710 (2021). doi: 10.1007/s11126-021-09935-6
- Fernández-Álvarez, J., Rozental, A., Carlbring, P., Colombo, D., Riva, G., Anderson, P. L., Baños, R. M., Benbow, A. A., Bouchard, S., Bretón López, J. M., Cárdenas, G., Difede, J., Emmelkamp, P., García-Palacios, A., Guillén, V., Hoffman, H., Kampmann, I., Moldovan, R., Mühlberger, A., North, M., Pauli, P., Peñate Castro, W., Quero, S., Tortella-Feliu, M., Wyka, K., & Botella, C. (2018). Deterioration rates in Virtual Reality Therapy: An individual patient data level meta-analysis. Journal of Anxiety Disorders. doi: 10.1016/j.janxdis.2018.06.005
- Morina, N., Ijntema, H., Meyerbröker, K., & Emmelkamp, P. M. G. (2015). Can virtual reality exposure therapy gains be generalized to real-life? A meta-analysis of studies applying behavioral assessments. Behaviour Research and Therapy, 74, 18–24. doi: 10.1016/j.brat.2015.08.010
- Opriş, D., Pintea, S., García-Palacios, A., Botella, C., Szamosközi, Ş., & David, D. (2012). Virtual reality exposure therapy in anxiety disorders: A quantitative meta-analysis. Depression and Anxiety, 29(2), 85–93. doi: 10.1002/da.20910
- Parsons, T. D., & Rizzo, A. A. (2008). Affective outcomes of virtual reality exposure therapy for anxiety and specific phobias: a meta-analysis. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 39(3), 250–261. doi: 10.1016/j.jbtep.2007.07.007
- Powers, M. B., & Emmelkamp, P. M. G. (2008). Virtual reality exposure therapy for anxiety disorders: a meta-analysis. Journal of Anxiety Disorders, 22(3), 561–569. doi: 10.1016/j.janxdis.2007.04.006
- Wechsler, T., & Mühlberger, A. (2025). Virtuelle Realität in der Psychotherapie. Hogrefe Verlag, Reihe „Fortschritte der Psychotherapie“, Band 97.
Weitere wissenschaftliche Arbeiten finden Sie im Bereich Publikationen und in der Überblicksliteratur.
Weitere Informationen
Eine grundlegende Einordnung zu Virtueller Realität, VR-Therapie, VR-Therapieforschung, Verträglichkeit und medizintechnischen Aspekten finden Sie auf der Seite VR-Therapie Überblick.
Informationen zu relevanten Verbundprojekten der Therapie- und Versorgungsforschung finden Sie in den Projektbeiträgen EVElyn und OPTAPEB sowie den VR-XR Fachportal Beiträgen zu Angsterkrankungen.
Die technologische Grundlage der VR-gestützten Therapie- und Forschungssysteme von VTplus wird auf der Seite VTplus VR-Plattform erläutert.
Informationen zu den VTplus VR-Therapiesystemen finden Sie auf der Produktseite VT+ VR-Therapie Systeme. Eine Auswahl klinischer Einrichtungen mit etablierten VR-Therapieangeboten finden Sie unter Referenzen.
Für Fragen zum professionellen Einsatz von VR-Therapie in Klinik, Praxis oder Forschung können Sie VTplus über die Kontaktseite erreichen.
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